Positionspapier

Positionspapier des Bundesverbandes Gewaltprävention
Gewalt gegen und zwischen Kindern und Jugendlichen eindämmen

Zusammenarbeit von Schulen, Vereine,, sonstige Jugendorganisationen und dem Bundesverband Gewaltprävention e.V.

Der Geschäftsführer des Bundesverbandes Horst Kelly Sach ruft zu einer engeren Zusammenarbeit von Schule, Verein, und Jugendorganisationen und dem Bundesverband Gewaltprävention sowie Polizei und anderen relevanten Präventionsstellen auf.
Gewalt darf nie und nimmer als Selbstverständlichkeit aufgenommen werden.  Schulen, Vereine und Netzwerkpartner sollen deshalb mehr als bisher Partner in einer Allianz für ein friedliches Leben und Lernen für Kinder und Jugendliche  werden. Aggressives Verhalten und Gewalt sind an unseren Schulen und in Vereinen zunehmende (pädagogische) Herausforderungen für alle Beteiligten. Nach einer Studie des BKA(2014) ergab, dass 66 Prozent der Befragten in den vergangenen sechs Monaten zumindest einmal Mitschüler geschlagen hatten, 13 Prozent  gaben ein Raub oder Erpressungsdelikt zu, 8 Prozent hatten bereits einmal mit Messer oder Pistole gedroht. Jeder dritte Schüler hat Angst davor (Studie Weißer Ring), allein den Schulweg anzutreten oder auf den Pausenhof zu gehen. In vielen Bundesländern werden zwar Anstrengungen gegen Kinder- und Jugendgewalt an den Schulen unternommen. Dennoch fehlt es immer noch an einer flächendeckenden und abgestimmten präventiven Bekämpfungsstrategie. Der Bundesverband wirkt derzeit an einer bundesweiten Zertifizierung von Selbstsicherheitskurse mit. Bislang kann jeder selbsternannte Fachmann solche Kurse anbieten. Die Wirksamkeit, Nachhaltigkeit und Qualität der Ausführungen und deren Inhalt ist jedoch oft fraglich. Hier müssen klare strukturelle Qualitätsmerkmale und Leitlinien für die künftige Schulung der Kinder geregelt werden.  Jede einzelne Schule wie auch Verein hat den pädagogischen Auftrag, aggressives Verhalten in Bahnen zu lenken, die ein soziales und humanes Miteinander ermöglichen. Mehr noch als bisher muss auch die Alltagsgewalt – kleine Gemeinheiten, verbale Attacken, Regelverletzungen – unsere Gegenwehr herausfordern. Die pädagogischen Mittel der Schule und im Verein, um Gewalt einzudämmen, sind begrenzt. Nicht immer gelingt es, Gewalt mit schul- oder vereinseigenen Maßnahmen abzubauen. In solchen Fällen muss die Schule / der Verein  auf Hilfe „von außen“ – zum Beispiel auf Beratungsstellen und Jugendämter, Präventionsstellen  - zurückgreifen können. Hilfe und Unterstützung kann auch von der Polizei oder ausgebildeten Trainern des Bundesverbandes Gewaltprävention und anderen Präventionsstellen erwartet und geleistet werden. Damit eine verstärkte Zusammenarbeit von Schule, Verein und Präventionsstellen im Sinne einer vernetzten Gewaltprävention gelingt, spricht sich der Bundesverband Gewaltprävention für folgende „vertrauensbildende“ Maßnahmen aus:

I. Unterstützung bei der Entwicklung schulischer Präventiv-und Sicherheitskonzepte
1.
Schulen und Vereine mit Kinder-und Jugendarbeit sollen sich als Teil eines pädagogischen Netzwerks verstehen und in diesem Sinne auch Präventionsstellen als Partner für Gewaltprävention einbinden;

2.
die Prävention von Kriminalität und Gewalt sollte verstärkt als fester Teil der Schul- und Vereinsqualitätsentwicklung thematisiert werden;
3.
alle Kinder und Jugendlichen, insbesondere jene mit nicht deutscher Herkunft, sollen erfahren, dass
Schulen, Vereine und Präventionsstellen vertrauensvolle Anlaufstellen sind und Hilfe bieten können.

4.
bei Deeskalations-/ Anti-Gewalt- oder Selbstsicherheits-Trainings an Schulen kann durch ausgebildetes Personal  aus Präventionsstellen oder ausgebildetes Personal aus Schule, Verein oder Polizei Unterstützung gegeben werden;
5.
Vorfälle wie Erpressung, Diebstähle, Körperverletzung oder Drogen sowie sonstige Gewalt an der Schule oder im Verein sollten Anlass sein, dass die Präventionsstellen oder Polizei Schülerinnen und Schüler über die Konsequenzen von Straftaten aufklärt;
6.
das Ehrenamt für die Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen außerhalb der Schule (Sportvereine, Jugendgruppe etc.) muss in der Öffentlichkeit eine größere Wertschätzung erfahren.

II. Vereinbarte Kooperation zwischen Schule, Verein, Jugendorganisation und Präventionsstellen
1.
Namentliche Benennung von Ansprechpartnern der Schule(n) / Vereine und der örtlich zuständigen Polizeidienststellen oder Präventionsstellen und Gewährleistung gegenseitiger Erreichbarkeit
2.
Bekanntmachung der präventiven Ansprechpartner in den Schulen
3.
Regelmäßige gemeinsame Bewertung der Zusammenarbeit (mindestens einmal im Schuljahr) zwischen Schule, Präventionsstellen, Polizei und Jugendgerichtsbarkeit
4.
Einrichtung von aktuellen Informationen (über Mailservice, Veranstaltungen etc.) für Schulen, Vereine und Jugendorganisationen von Präventionsstellen und Polizei.

5.
Verstärkung der Information über Präventionsangebote der Präventionsstellen in laufenden Zeiträumen. (Mobbing, Cybermobbing, mediale Gewalt, Suchtprävention, gewaltfreie Kommunikation und Deeskalation, Mediation und  Streitschlichtungsverfahren, sexualisierte Gewalt, Kindesmisshandlung, Fremdenfeindlichkeit, Selbstsicherheit und Selbstbehauptung, Fair Play und Zivilcourage.
6.
gemeinsame Seminare, Fortbildungen, Ausbildungen für Präventionsstellen, Polizei und Lehrkräfte zu Gewaltbewältigung.
7.
Verstärkte Anzeigepflicht der Schulleitung in bestimmten Deliktsbereichen (Erstellung eines entsprechenden Kataloges / Notfallplan und die konsequente Einhaltung der vorgegebenen Regeln).
8.
Anforderung eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses, wo es gesetzlich noch nicht vorgeschrieben ist sowie die Einführung eines gewaltfreien Ehrenkodexes in der Institution.
Der "Bundesverband Gewaltprävention e.V.“ unterstützt eine in diesem Sinne vernetzte Prävention von Gewalt an Schulen in Vereinen und Jugendorganisationen. Es ist ein wichtiger Schritt über die bewährte Zusammenarbeit von Präventionsstellen, Polizei, Schule / Verein / Jugendorganisation bei der Zielerreichung zu einem angstfreien und offenen Lern- und Lebensort zu entwickeln.
Windhagen, 01. Feb. 2015

Share by: